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11. September 2001

Am Dienstag, 11. September 2001, gegen 09 Uhr morgens, wurde einer der Türme von einem Flugzeug gerammt. Zunächst sah es so aus, als sei das ganze ein Unglück. 18 Minuten später schlug ein zweites Flugzeug, eine Passagiermaschine, in den anderen Tower ein. Dann war klar, dass es sich nicht um ein Unglück, sondern um einen gezielten Anschlag auf das Herz der amerikanischen Wirtschaft handelt.

Das World Trade Center steht in Flammen. Ein Tower wurde etwa in der Mitte getroffen, der andere im oberen Bereich. Starker Rauch tritt aus, Menschen springen in die Tiefe. Erste Rettungsmaßnahmen laufen an. Die Türme besitzen Aluminiumfassaden und 43.600 Fenster. Für den Bau wurden 200.000 Tonnen Stahl und 325.000 Kubikkilometer Zement verarbeitet. Wie stark das World Trade Center tatsächlich beschädigt wurde, ist offen, ebenso, wie viele Opfer zu beklagen sind.

Nach etwa einer Stunde stürzte der erste Tower ein. Die Szene erinnerte an den Film "Independence Day", wo ein Wolkenkratzer von den Außerirdischen gesprengt wurde. Wenig später folgte der Einsturz des zweiten Turmes. Das Wahrzeichen New Yorks fällt in Staub und Trümmer. Noch immer ist unklar, wie viele Opfer dieser Anschlag gekostet hat.

Auch das Pentagon, die Zentrale der amerikanischen Verteidigung, wurde von einem Anschlag getroffen. Wahrscheinlich schlug auch hier ein Flugzeug ein und verursachte Explosionen und Feuer.


12. September 2001

Der 1. Krieg des 21. Jahrhunderts

WASHINGTON – Noch steht nicht fest, wie die USA auf die Terroranschläge reagieren werden. Aber Präsident George W. Bush nimmt kein Blatt vor den Mund: «Es wird der erste Krieg des 21. Jahrhunderts», sagte er gestern.
 
«Es wird ein Krieg gegen einen Feind, der sich versteckt», sagte Bush. Das schreckt den US-Präsidenten aber nicht ab: «Wir werden die Welt zum Sieg führen», versicherte er.
Bushs Aussenminister Colin Powell bezeichnete zwar den saudiarabischen Multimillionär Osama Bin Laden klar als Hauptverdächtigen.

Aber der Terrorist aus Überzeugung steht nicht als Einziger im Fadenkreuz der amerikanischen Generäle: «Es wird ein Feldzug, keine Einzelaktion», kündete der stellvertretende US-Verteidigungsminister Paul Wolfowitz an. «Es geht darum, Staaten auszuschalten, die den Terrorismus unterstützen. Wir werden die Vergeltungsaktionen gegen die Verantwortlichen und deren Helfer so lange fortsetzen, bis der Terror aufhört.»


13. September 2001

USA bereiten Vergeltungsschlag vor

Der US-Kongress hat über einen Antrag von Präsident George W. Bush auf Dringlichkeitsmittel in Höhe von 20 Milliarden Dollar beraten. Das Geld soll für mögliche Militärschläge gesprochen werden. Nach den beispiellosen Terroranschlägen in New York und Washington arbeitet die US-Regierung nun mit Hochdruck an einer internationalen Koalition für einen Vergeltungsanschlag.


14. September 2001

 

Furcht vor neuem Terror in den USA

Washington/New York (dpa) - In den USA geht die Angst vor neuen Terroranschlägen um. Nach der anfänglichen Wiederaufnahme des zivilen Flugverkehrs vereitelte die New Yorker Polizei möglicherweise einen neuen Entführungsversuch einer Passagiermaschine.

Ein Beamter berichtete dem Nachrichtensender CNN, die Polizei habe am Donnerstagabend auf dem Kennedy-Flughafen eine Maschine gestürmt und drei verdächtige Personen festgenommen. Es werde untersucht, ob dies ein Entführungsversuch war.

Bei den Festgenommenen soll es sich um einen Mann und eine Frau handeln, die in der Business Class saßen, sowie um einen Inder, dessen Name nach Angaben des Fernsehsenders ABC auf einer FBI- Verdächtigenliste von Sympathisanten des mutmaßlichen Terroristen- Führers Osama bin Laden stand.

Insgesamt wurden nach Medienberichten an den drei New Yorker Flughäfen zehn Personen festgenommen, darunter einer, der einen gefälschten Pilotenausweis hatte, und vier, die bereits am Dienstag am Flughafen gesehen worden waren. Nach Informationen von ABC hatten einige der Festgenommenen Messer dabei. Die New Yorker Flughäfen wurden erneut geschlossen. Über New York und Washington patrouillieren weiterhin Kampfflugzeuge.  

Vorbereitungen auf Vergeltungsschlag

Washington/New York/Hamburg (dpa) - Die Vorbereitungen für einen Vergeltungsschlag für die verheerenden Terroranschläge in den USA laufen auf Hochtouren. Dabei konzentrierten sie sich offenbar auf Afghanistan, wo sich der mutmaßlichen Topterrorist Osama bin Laden aufhalten soll.

Außenminister Colin Powell nannte bin Laden am Donnerstag erstmals als Hauptverdächtigen. Er forderte in einem Gespräch mit dem pakistanischen Präsident Pervez Musharraf konkrete Unterstützungsmaßnahmen. Details nannte das Außenministerium nicht.

Amerikanische Kampfpiloten sind auf 26 Stützpunkten in den USA in unmittelbarer Bereitschaft. Das sagte US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld dem Fernsehsender CNN. Sie seien innerhalb von 15 Minuten einsatzbereit. Die Kampfpiloten an den US-Stützpunkten werden zur Verteidigung des Heimatlandes eingesetzt. Das Ministerium überlege zudem, große Zahlen von Reservisten einzuberufen. Das war zuletzt während des Golfkriegs 1991 geschehen.

Pakistan bekomme «die Chance, mitzuarbeiten und an der Jagd auf die Leute, die diese Anschläge begangen haben teilzuhaben», sagte US- Präsident George W. Bush. Der stellvertretende Verteidigungsminister Paul Wolfowitz bereitete die Nation auf einen massiven und langwierigen Einsatz vor. «Eins ist klar, diese Sache kann man nicht mit einem Schlag erledigen, egal wie massiv er ist. «So etwas macht man nicht nur mit der militärischen Macht, sondern den vollen Ressourcen der gesamten Regierung.» Verteidigungsminister Donald Rumsfeld hatte die amerikanischen Truppen in einer auf Video aufgenommenen Botschaft darauf vorbereitet, dass von ihnen in den nächsten Wochen und Monaten «sehr, sehr viel» verlangt werde. Das gelte besonders für die Truppen im Feld.

Ein iranischer Abschiebehäftling aus Hannover hat nach eigenen Angaben vergeblich versucht, die amerikanischen Behörden vor den Anschlägen zu warnen. Der US-Geheimdienst habe ihn nicht ernst genommen, berichtete die «Neue Presse» (Hannover) in ihrer Freitagsausgabe. Der Mann habe noch Stunden vor den Anschlägen vergeblich darum gebeten, US-Präsident Bush ein Fax schicken zu dürfen. Justizminister John Ashcroft hatte am Donnerstag erneut gesagt, die US-Behörden hätten keine Information über einen unmittelbar bevorstehenden Angriff gehabt.

Unterdessen ging die weltweite Fahndung nach Helfershelfern der wahrscheinlich 18 Selbstmordattentäter weiter. Möglicherweise sind in den USA weitere Terroristenkommandos unterwegs. Am John F. Kennedy- Flughafen wurden nach Medienberichten am Abend mehrere Männer, darunter angebliche Piloten, in Gewahrsam genommen. Die drei New Yorker Großflughäfen wurden nach der ursprünglichen Öffnung wieder geschlossen. Bei der beispiellosen Fahndung sind in den USA 7000 Beamte im Einsatz. Eine heiße Spur der Fahnder führt nach Hamburg. Dort wurde in der Nacht zum Donnerstag ein Unterschlupf entdeckt, in dem möglicherweise drei der Männer zeitweise lebten. Ein Verdächtiger wurde festgenommen. Weitere Festnahmen gab es in London und in Portugal.

Das Ausmaß der Katastrophe war auch am dritten Tag noch nicht klar In New York, wo das World Trade Center nach den Anschlägen am Dienstag einstürzte, werden mindestens 4763 Menschen vermisst. 160 Tote wurden bis Donnerstagabend geborgen. 

Am Verteidigungsministerium in Arlington bei Washington, in das ebenfalls eine Maschine gestürzt war, wurden noch 190 Menschen vermisst, darunter die 64 Passagiere und Besatzungsmitglieder an Bord der Maschine.


17. September 2001

Taliban: bin Laden bleibt
Pakistan hat offensichtlich ohne großen Erfolg versucht, das afghanische Taliban-Regime zur Auslieferung Osama bin Ladens zu bewegen.

Nach einer dreistündigen Unterredung zwischen einer hochrangigen pakistanischen Delegation und den Taliban hieß es, es gebe eine "60-prozentige Chance", dass sich die Lage normalisiere. Beide Seiten hätten alle Aspekte erörtert, "mit Ausnahme der Auslieferung bin Ladens an die USA". Die USA hatten Afghanistan ein Ultimatum zur Auslieferung des gesuchten Terroristen gestellt, das am Mittwoch abläuft.

Taliban sperren Luftraum über Afghanistan

Unterdessen bereitet sich das Land jedoch weiter auf einen Militärschlag der USA vor. Die Taliban ließen den Luftraum über Afghanistan sperren. Bei einer Missachtung des Flugverbots werde das "Verteidigungsministerium entsprechend reagieren", sagte der "Minister" für zivile Luftfahrt. Da Afghanistan auf einer der Hauptrouten von Europa nach Asien liegt, dürften von der Maßnahme auch internationale Flugpläne betroffen sein. Lediglich die Vereinten Nationen und das Internationale Rote Kreuz könnten auf Antrag Ausnahmegenehmigungen erhalten, hieß es.

US-Kriegsschiff verlässt Basis in Japan

Derweil hat ein US-Kriegsschiff in Japan seine Marinebasis in unbekannte Richtung verlassen. Der Kreuzer "Cowpens" sei am Sonntag aus dem Hafen Yokosuka ausgelaufen, berichtet die japanische Zeitung "Tokio Shimbun". Der Meldung zufolge wurde damit gerechnet, dass er den Nahen Osten ansteuert. Das Kriegsschiff ist mit dem hochmodernen Aegis-Radar- und Abwehrsystem ausgerüstet, das Simultan-Angriffe mit Cruise Missiles auf mehrere Ziele ermöglicht.

100 tote Deutsche vermutet

Unter den Trümmern des World Trade Center werden bis zu 100 tote Deutsche vermutet. Allerdings ist unter den bislang tot geborgenen 180 Personen noch niemand mit deutscher Staatsangehörigkeit identifiziert worden. Die New Yorker Behörden setzen indes auf Genanalysen bei der Identifizierung der Opfer. Eine Gruppe von deutschen Psychiatern und Psychologen ist inzwischen auf dem Weg in die USA. Sie soll im Auftrag des Auswärtigen Amtes die Suche nach vermissten Landsleuten koordinieren. Insgesamt sprechen die US-Behörden offiziell von etwa 5.100 Toten.

Wall Street-Auftakt mit Kursstürzen

Die amerikanischen Börsen war am Montag erstmals nach dem Terrorangriff wieder geöffnet. Nach verhaltenem Beginn stürzten die Kurse der wichtigsten US-Aktien schwer ab. Der Dow-Jones-Index fiel um 641 Zähler oder 6,67 Prozent auf zuletzt 8.964 Punkte (aktueller Kurs). Der technologielastige NASDAQ-Index sackte um 100 Zähler oder 5,9 Prozent auf 1.595 Punkte ab. Vor allem Fluggesellschaften und Finanztitel gaben stark nach. Wegen der Attentate auf New York und Washigton war der Handel an den US-Börsen tagelang unterbrochen worden. Es handelte sich um die längste Börsenpause seit dem ersten Weltkrieg (ausführlicher Artikel).

Zwei weitere Haftbefehle in USA ausgestellt

Die US-Justiz hat bei der Suche nach den Hintermännern der Terroranschläge in New York und Washington zwei weitere Haftbefehle ausgestellt. Nach Medienberichten handelt es sich um "wichtige Zeugen". Zwei weitere solcher "wichtiger Zeugen" sind bereits in Haft. Unterdessen wurden in der chinesischen Enklave Macao fünf Männer festgenommen. Medienberichten zufolge hatten sie im Falle eines US-Vergeltungsschlages gegen Afghanistan Anschläge auf US-Einrichtungen in Hongkong und Macao geplant. (md/ha/fw/dpa/AFP)


18. September 2001

Krieg: Es wird ernst

Mit dem Angriff, den die USA planen, scheint es ernst zu werden. Afghanisches Militär geht in Stellung, Russland alarmiert grenznahe Truppen und Pakistan bekommt Angst.
Afghanistans Taliban bringen ihre Skud-Abfangraketen in Stellung und bereiten sich bereits auf einen Krieg vor. Der Nachbar Pakistan beobachtet die militärischen Bewegungen mit Sorge und rüstet ebenso für einen Waffengang. Unterdessen versuchen Tausende von Afghanen das Land zu verlassen, gab die UN-Flüchtlingshilfeorganisation UNHCR bekannt.
Im bevorstehenden Angriff wollen die USA eventuell auch russische Militärbasen benutzen, sagte der US-Gesandte John Bolton am Montag nach Verhandlungen mit dem russischen Außenminister Igor Iwanow. Russland habe die Möglichkeit offengelassen, den US-Amerikanern in diesem Fall seine Militärstützpunkte in den zentralasiatischen GUS-Republiken für einen Angriff zur Verfügung zu stellen.

An der Grenze nach Afghanistan wurden die Truppen verstärkt. Iran und Pakistan haben ihre Grenzen dicht gemacht. In Erwartung eines Angriffs der USA hat Afghanistan ausserdem seinen Luftraum für alle Flugzeuge geschlossen. Die Taliban haben ein Gremium hoher geistlicher Führer beauftragt, über die Auslieferung Osama Bin Ladens zu entscheiden.


19. September 2001


Beratungen über Auslieferung von Bin Laden

In Afghanistan beraten mehr als 1000 islamische Gelehrte über die von den USA geforderte Auslieferung des mutmasslichen Terroristenführers Osama bin Laden. Unterdessen zog Grossbritannien einen Teil seines Botschaftspersonal aus Pakistan ab.

Taliban-Führer Mullah Mohammed Omar warf den USA zu Beginn des Treffens vor, sie benutzten bin Ladens als Vorwand. In Wirklichkeit gehe es den Vereinigten Staaten darum, das von den Taliban in Afghanistan errichtete das islamische System zu zerstören, sagte Omar nach Angaben der privaten afghanischen Nachrichtenagentur AIP in der Hauptstadt Kabul.

Weder Freiräume noch Kontakte

Der Taliban-Führer versicherte, bin Laden habe in Afghanistan weder die Freiräume noch die Kontakte, die nötig seien, um verheerende Terroranschläge wie auf die USA auszuführen.

In einer Botschaft, die zu Beginn des Treffens verlesen wurde, sagte Omar weiter, die Taliban seien selbst jetzt noch zu Verhandlungen bereit. Er forderte die USA allerdings auf, geduldig zu sein. Die Anschläge müssten genau untersucht, alle Informationen gesammelt und nach den wirklichen Schuldigen suchen werden.

UNO-Sicherheitsrat fordert Auslieferung

Unterdessen hat der UNO-Sicherheitsrat die radikal-islamischen Taliban in Afghanistan erneut aufgefordert, den Fundamentalistenführer Osama bin Laden auszuliefern. Die Auslieferung habe "sofort und bedingungslos" zu erfolgen, heisst es in der am Sitz der UNO in New York verteilten Mitteilung.

Briten ziehen Botschaftspersonal ab

Unterdessen forderte das britische Aussenministerium alle Bürger des Landes aufgefordert, Pakistan zu verlassen und nicht nach Pakistan zu reisen. In einer Mitteilung des Ministeriums in London heisst es, alle Familienangehörigen von britischen Botschaftsangestellten in Pakistan und einige nicht unbedingt benötigte Beschäftigte würden Pakistan verlassen.

Auch die norwegische Regierung hat den Abzug aller Angehörigen ihrer Diplomaten in der pakistanischen Hauptstadt Islamabad angeordnet. (dpa/scc/tak)


25. September 2001

Afghanistan wird eingekreist

Die USA bringen ihre Truppen rund um Afghanistan in Stellung. An vorderster Front: hoch motivierte Eliteeinheiten.

[TA] - Von Ignaz Staub, Washington

Noch sei, sagten Anfang Woche US-Beamte, ein Militärschlag gegen Afghanistan mindestens Tage entfernt. Erst müssten die USA, hiess es im Pentagon, genügend Streitkräfte in der Region in Stellung bringen. Gemäss einem zweiten Einsatzbefehl von Verteidigungsminister Donald H. Rumsfeld verschiebt sich derzeit eine grosse Zahl von Aufklärungs- und Überwachungsflugzeugen in Richtung Persischer Golf.

Flugzeug vermisst

Die zweite Tranche der US-Luftstreitkräfte umfasst U-2-Spionagemaschinen und RC-135-Überwachungsflugzeuge, die den Sprechfunkverkehr am Boden abhören können. Derweil liefern die U-2-Maschinen Daten über die Geländebeschaffenheit und mögliche Ziele in Afghanistan. Das Pentagon bestätigte am Sonntag, dass die USA den Kontakt zu einem unbemannten Spionageflugzeug verloren hätten. Unklar blieb, ob die Taliban die Drohne abgeschossen hatten, oder ob die Maschine nach einer Panne abgestürzt war.

Ferner sind die USA zurzeit dabei, in Usbekistan einen Stützpunkt für Elite-Einheiten aufzubauen, die Geheimoperationen im südlichen Nachbarland durchführen könnten. Die Einheiten umfassen Grenadiere und Sonderkommandos des Heeres, die von Helikoptern und Kampfflugzeugen der Luftwaffe unterstützt werden.

Ausserdem hofft das Pentagon, in Tadschikistan eine Basis für Truppen zu etablieren, die sich auf die Rettung und Evakuierung von Kommandos spezialisieren, die hinter feindlichen Linien operieren. Jüngst hat sich auch Kasachstan bereit erklärt, unter Umständen amerikanischen Einheiten auf seinem Boden Gastrecht zu gewähren.

Noch herrscht in Washington Verwirrung darüber, ob die USA Zugang zu einer brandneuen Kommandozentrale erhalten werden, die sich auf einem saudiarabischen Luftstützpunkt südlich von Riad befindet. Von dort aus liessen sich die Bewegungen von Hunderten von Flugzeugen in der Region über grosse Entfernung hinweg verfolgen. Auf jeden Fall soll die Prince Sultan Air Base als Standort des Kommandos dienen, das Luftangriffe auf Afghanistan planen und koordinieren würde. Wichtig wäre für die USA vor allem die Erlaubnis, Stützpunkte in Pakistan benutzen zu dürfen. Dort könnte das Pentagon innerhalb relativ geringer Entfernung zu den Hochburgen der Taliban und der Gefolgsleute Bin Ladens im Südosten Afghanistans Eliteeinheiten und Kampflugzeuge stationieren. Bisher haben sich Islamabad und Washington nicht auf Details einer militärischen Zusammenarbeit einigen können.

Nach wie vor gehen Militärexperten davon aus, dass ein erster Schlag gegen Afghanistan den Einsatz von Special Forces der US-Armee, mutmasslich im Zusammenspiel mit Luftangriffen, beinhalten würde. "Manchmal funktioniert ein Skalpell besser als ein Presslufthammer", sagt ein früherer Elitesoldat des Heeres. Denkbar ist auch der Absprung von Fallschirmtruppen wie der 101. Luftlandedivision ("Screaming Eagles") aus Fort Campell (Kentucky) oder der 82nd Airborne aus Fort Bragg (North Carolina).

"Meer des Blutvergiessens"

Fachleute halten es für unwahrscheinlich, dass angesichts des schwierigen Terrains Luftangriffe allein genügen würden, um die Kämpfer Osama Bin Ladens und deren Gastgeber in ihren Höhlen "auszuräuchern", wie Präsident George W. Bush dies ankündigte.

Als fast aussichtslos erachten Strategen eine grössere Invasion mit Bodentruppen. Für einen solchen Fall warnen russische Veteranen des Krieges in Afghanistan vor einem "Meer des Blutvergiessens".

Insgesamt unterstehen dem Special Operations Command in Fort Bragg 46 000 Mann, die sowohl aktive Einheiten wie Reservisten umfassen. Die Ausbildung der Elitesoldaten (vgl. Kasten) ist ungemein hart: Mehr als 70 Prozent der Freiwilligen, die sich zum Dienst melden, fallen am Ende durch.

Gemäss Schätzungen befinden sich jede Woche 3000 Soldaten der Special Forces irgendwo auf der Welt im Einsatz. Das Budget der Elitetruppen beträgt umgerechnet 6,4 Milliarden Franken - weniger als zwei Prozent des Pentagon-Haushaltes.

"Schon am 10. September bereit"

Sprecher in Fort Bragg bestätigten am Wochenende, dass die Special Forces einen Einsatzbefehl aus dem Pentagon erhalten haben. Sie äusserten sich jedoch nicht dazu, wie viele Soldaten insgesamt ausrücken würden. General Dan K. McNeill, Kommandant des Stützpunktes, bejahte immerhin die Frage, ob seine Truppen zum Krieg gegen den Terrorismus bereit seien: "Sie waren es auch schon am 10. September."


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